interdisciplinary artist
The artist David Reumüller lives in Sausal, Austria. Since 1997, he mostly works as an artist, musician and filmmaker on interdisciplinary projects.
8444 St.Andrä i. Sausal, Steiermark, Austria

David Reumüller

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„Johnny Silver, Superposition“ Soloexhibition, Wies 2015

Lady Gaga bringt es auf den Punkt: „I’m not real. I am theatre“. Damit beschreibt sie einen Allgemeinzustand, der sich nicht mehr beschränken lässt, sondern die Gesellschaft im All-gemeinen betrifft. Die Imagebildung des Einzelnen war niemals wichtiger und zu keiner Zeit vielschichtiger als heute. In ewiger Jugend verharrend und scheinbar frustrationsfrei wird jeder sein eigener Superstar.

Johnny Silver, Johannes Silberschneider und David Reumüller sind lebende Zeugen dieser Entwicklung. Eine jahrzehntelange Ich-Bildung hat zur Entstehung eines zeitlich in den 1950er Jahren verorteten imaginären Kosmos geführt, der sich rund um eine durchaus real existierende Figur rankt. Der „Superstar“ – egal ob Elvis Presley, Eddie Cochran, Gene Vin-cent oder Buddy Holly – wird zum Kristallisationspunkt des individuellen Begehrens. Es sind wieder Bilder, Gegenstände, Performances und die Berichte davon, die eine Lebensrealität erzeugen, die von der tatsächlichen Wirklichkeit kaum trennbar ist.

Vor der digitalen Kulisse wird die reale Fan-Welt vom Imaginären erfasst und erweitert. Was sich in den frühen 1960er Jahren durch Magazine wie „BRAVO“ und Devotionalien wie E-Gitarren und zeitgemäße Kleidung entlang einer durchaus üblichen Fankultur zu entwi-ckeln begann, mündet im digitalen Zeitalter in eine globale Erzählung, die Johnny Silver zum Mysterium stilisiert – ein weiterer Sugar Man oder Charles Bradley? Haben wir da einen vergessen? Das kann nachgeholt werden – ein Museum, Tonträger, Plakate und vor allem Fotos sind reichlich vorhanden. Die Filmbiografie ist im Entstehen. Einem Revival von Johnny Silver steht nichts im Wege.

David Reumüller bündelt in seiner künstlerischen Arbeit die Versatzstücke gleichsam zu ei-ner sozialen Skulptur. Er arbeitet nicht am Wiedererstehen einer vergessenen Musikerkar-riere. Dem digitalen Bewusstsein folgend organisiert er das Vorhandene und treibt die In-szenierung damit weiter. Das Leben als monumentale Aufführung, als Rollenspiel. Was Shakespeare begonnen hat und Lady Gaga für unsere Zeit unter Beweis stellt, wird von David Reumüller dekonstruiert. Die Dekonstruktion trägt aber gleichzeitig auch zur Ver-dichtung der Elemente bei und lässt uns in Bezug auf Johnny Silver weiter mutmaßen. Das Einlösen des medial Versprochenen wäre kontraproduktiv. Das Spekulieren darüber scheint der wesentlichere Aspekt des Ganzen zu sein. Der Imaginationsraum ist der eigent-liche Schauplatz der Realität.

Günther Holler-Schuster (gekürzte Version)

photos by Christian Koschar